Mai 09

Wenn man, wie ich, tagtäglich Webseiten baut (ich möchte das oft benutzte Wort „basteln“ nicht verwenden, da es die professionelle Tätigkeit abwertet!), dann muss man sich leider mit den Auswüchsen der Browserlandschaft beschäftigen. Zum einen kann das sehr zeitraubend sein, da man nicht nur alle Browser in den entsprechenden Versionen irgendwie vorrätig haben muss, es kostet ganz nebenbei auch eine ganze Menge Nerven. Es gibt einige Browser die machen einem die Arbeit relativ leicht, denn man weiß, dass in einer neuen Version des Browser mindestens schon mal alles das wieder gehen wird, was in der vorherigen Version auch schon ging. Manche andere Browser sind da leider nicht ganz so zuvorkommend. An gewisse Macken gewöhnt man sich mit der Zeit, andere verflucht man jedes Mal aufs neue.

Da ich mich neben meinem Hauptgebiet, der Programmierung, auch sehr viel mit dem äußert wichtigen und leider oft unterschätzten Thema der Benutzbarkeit, also Usability, beschäftige, betrachte ich solche Unannehmlichkeiten auch aus einer anderen Perspektive. Denn: Konsistenz ist eines der elementaren Prinzipien um eine Benutzerfreundliche Oberfläche zu erschaffen. Leider haben das noch nicht alle begriffen und ich möchte an einem schönen Beispiel demonstrieren wo mir das auffällt und wo es mir vor allem tierisch auf die Füße gefallen ist.

Üblicherweise testen wir direkt nach dem Deployment unserer Webseiten die Seiten auch auf dem Livesystem noch ein mal durch. Dann auch noch etwas ausführlicher als vorher. Wir haben das bei uns so organisiert, dass jeder Tester einen anderen Browser benutzt und das gleiche Testszenario durchexerziert. Dabei haben die beteiligten Personen sich meist für einen Browser entschieden, den sie dann bei jedem Test verwenden. Da man das öfter macht und auch den Browser gut kennt, liest man sich ggf. also nicht mehr jeden Dialog durch, sondern klickt aus Gewohnheit einen Button an. Genau in dieser Situation ist es ziemlich unvorteilhaft wenn sich nun seit der letzten Version etwas geändert hat.

In unserem Beispiel ging es um eine Webseite die standardmäßig komplett per SSL übertragen wird. Da wir auf einer einzelnen Unterseite jedoch Google Maps verwenden, wird dort leider auch „nicht sicherer Inhalt“ mittels iFrame in eine sonst „sicher übertragene“ Seite geladen. Schlauerweise stellt der Internet Explorer das fest (nicht nur der) und warnt den Benutzer. Um genau diesen Warndialog geht es hier. Der erste Screenshot ist vom IE7 auf Windows XP, der zweite vom IE8 auf XP und der dritte vom IE9 auf Windows Vista. (Bitte auf die Bilder klicken)

Witzigerweise hat sich der Dialog doch tatsächlich bei jeder Version verändert! Da der IE7 lange aktuell war, hat man sich an den Dialog gewöhnt und klickt fast automatisch auf „JA“ um alle Inhalte zu sehen. Fatalerweise hat sich Fragestellung im IE8 genau umgekehrt, weshalb ein Klick auf „JA“ in dessen Dialog zur unvollständigen Darstellung der Seite führt… Im IE9 geht Microsoft sogar noch einen Schritt weiter und definiert diese Auswahl als Standard, was für jede Webseite (tatsächlich jede einzelnen, nicht etwa Domainweit) einzeln „rückgängig“ gemacht werden kann.

Als kleinen Bonus merkt sich der IE9 dann auch die getroffene Entscheidung nicht für den zweiten Besuch und belohnt den Klickwütigen Benutzer bei jedem weiteren Aufruf dieser Webseite mit dem gezeigten Dialog. Aus meiner Sicht ein klassischer Usability-Fail, denn dem Nutzer wird eine Entscheidung aufgedrückt die aus meiner Sicht nicht als Definition gelten sollte und obendrein kann er seine Wahl für kommende Besuche nicht speichern. FAIL!

Andere Browser bekommen das besser hin, da wird beim ersten Besuch zwar auch der „unsichere“ Inhalt erst mal nicht geladen, die Entscheidung das doch zu tun kann aber für diesen Besuch oder für die Seite gespeichert werden, sodass man nicht ständig gegängelt wird. Bitte nachbessern Microsoft, in der aktuellen Umsetzung ist das leider noch nicht optimal für den Benutzer!

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