Apr 18

Obgleich man sich ab einem bestimmten Punkt seines Lebens durchaus damit beschäftigt, dass Vergänglichkeit ein Problem ist und dass man selbst nicht drumherum kommen wird, ist es doch nur schwer zu fassen. Auch wenn es Anzeichen gibt, so behält man doch Hoffnung bis zum Schluss und legt alle Statistiken mit dem Hinweis beiseite dass es eben nur Statistiken sind und man selbst mit seinem Problem schon nicht darunter fallen wird. Auch wenn man andere fragt und Menschen denen man vertraut einem nicht viel Hoffnung und Mut machen, so bleibt der Zweifel am Unausweichlichen doch bestehen und im Geist blendet man alles aus was das Gegenteil beweisen könnte. Eine 5-Jahres-Überlebensrate von 5%? Na dann sind wir mit unserem Fall doch ganz sicher unter diesen 5%!

Die Zeit sich auf soetwas vorzubereiten ist immer zu kurz, auch wenn sie das ganze Leben dauert. Sich auf den Verlust einzustellen funktioniert einfach nicht, auch wenn man vorher bereits traurig ist und sich vielleicht schon ein mal vorstellt, dass es irgenwann passiert. Die Liebe zu einem Menschen ist stärker als die kalte Überzeugungskraft nüchterner Argumente von denen keiner so genau weiß warum sie bei dem einen zutreffen und bei dem anderen nicht.

Kann man fühlen wenn etwas schlimmes passiert? Hat man tatsächlich eine Ahnung davon dass in naher Zukunft jemandem etwas zustößt? Nein, denn die immerwährende Hoffnung im eigenen Kopf wird erst geringer, wenn jemand sie durch harte Fakten zerstört. Keine Statistiken und keine Hinweise und Ratgeber schaffen das, nur Fakten. Der Tod – das ist so ein Fakt. Unwiederuflich. Nicht zu hinterfragen und wegzudiskutieren. Er kommt manchmal so schnell, dass man nicht mehr denken kann und sich im nächsten Moment die Gedanken schon wieder um jemanden Kreisen der nicht mehr ist. Wie habe ich ihn zuletzt gesehen? Was habe ich gesagt? Habe ich mich „ordentlich verabschieded“? Manche Fragen klären sich, manche bleiben für immer offen. Vielleicht ist das gut so, vielleicht sollte man nicht alles wissen und die Erinnerung behalten die man vorher hatte, von vor der Krankheit und als es noch alles gut war.

Die Zeit war zu kurz, es ging alles zu schnell. Nur 5 Wochen nach der Diagnose. Das ist noch kein Alter um zu gehen! So vieles hätte noch erlebt werden sollen: 70. Geburtstag, Goldene Hochzeit, die Urenkel. Unsere Gedanken sind bei dir und wir wissen, dass es dir nun besser geht und dass dich nun nichts mehr schmerzt. Wir erinnern uns mit Freude an die Zeit die wir zusammen hatten zurück und die Erinnerung daran wird nie verblassen. Ruhe in Frieden.

Rosemarie Grundkötter
01.11.1940 – 16.04.2010

In liebender Erinnerung an eine starke Ehefrau, Mutter und Großmutter die ihren letzten Kampf gegen einen feigen Gegner nicht gewinnen konnte.