Sep 13

Der 2. Tag der Konferenz ging glücklicherweise etwas später los, denn das „social event“ am Samstag ging doch relativ lange 🙂 Obwohl ich nicht allzulang da war, kam ich auch etwas später, denn ich habe verschlafen (Wecker nur an Arbeitstagen klingeln lassen ist eben manchmal keine Einstellung im Handy). Ich war leider nicht länger auf der Party am Samstag, da die Location deutlich zu wenig Sitzplätze hatte und ich nach 3 Stunden stehen mit meinem kaputten Fuß einfach nicht mehr konnte.

Abgesehen davon, kommen mir einige der „Jünger“ (Erklärung kommt später) so vor, als wenn sie wie auf Droge oder nach Hirnwäsche alles und jeden Küssen der ein TYPO3-Logo mit sich herumträgt. Zugegeben, auch ich finde toll, was sich gerade so abspielt und auch ich finde das Marketing und die Marke TYPO3 selbst sehr schön, aber trotzdem beschlich mich schon das Gefühl auf einer Art Sektenveranstaltung gelandet zu sein. Das ging eigentlich schon am Freitag los: Da wurde die versammelte Menge in der Keynote darauf eingeschworen beim nächsten Mal noch jemanden zur T3CON mitzubringen, die dann ein Jahr später wieder und so weiter. Klang für mich extrem nach Schneeball, hat mich dort aber noch gar nicht so gestört. Krasser wurde es eigentlich erst bei der Veranstaltung am Ende. Dort wurde noch mal an das „Versprechen“ erinnert (mir war nicht bewusst irgendwem was versprochen zu haben) und wer sich erinnerte sollte den Arm heben. Damit das dann am jüngsten Tag abgeprüft werden kann, wurde noch mal eine runde Spiegelreflex mit Serienbild in die Menge gehalten – so ist nun jeder „schuldig“ der sich nicht an seine (heilige?) Pflicht hält!

Nun ja. Jedenfalls wurde das noch dadurch getoppt, dass ständig jemand von Geld gesprochen hat: Bitte werde ein Association Member und gib uns Geld dafür, bitte bring jemanden mit zur T3CON oder werbe andere Association Members. Bitte gehe zu deinem Chef und überzeuge ihn davon, Member zu werden. Würde ich prinzipiell auch alles gerne machen, WENN ich wüsste (und das weitergeben kann) WOFÜR das ganze Geld eigentlich gebraucht wird und wer genau es am Ende erhält. Aber an diesem Punkt wird ja wohl teilweise schon gearbeitet, ich bin gespannt.

Nun zur Erklärung des Begriffes „Jünger“. Mir schwant einfach Unheil, wenn jede Entscheidung und jedes Stück Code was veröffentlicht wird gleich einen Aufschrei der Begeisterung hervorrufen und kritische Stimmen unerwünscht sind. Meiner Meinung nach geht es bei dem Projekt darum das derzeit schon bekannteste CMS in Europa noch besser zu machen und dadurch noch mehr Nutzer zu bekommen. Das funktioniert aber meiner Meinung nach nur, wenn man auch mal eine ehrliche Kritik abgeben darf, ohne dafür gleich angemacht zu werden. Und alle die einen dann gleich mit dem „der-mag-TYPO3-nicht-Blick“ ansehen bezeichne ich mal als Jünger.

So genug beschwert, jetzt zur eigentlichen Auswertung der Konferenz: Angefangen habe ich mit dem Developer-Track (die Teilung in Tracks finde ich übrigens gut, allerdings sollte durch ein Voting entschieden werden was wo reingehört :-). Der Vortrag hieß „Advanced performance tuning für TYPO3-Websites“ und ich dachte schon „oh nein, nicht schon wieder!“. Wider meiner Befürchtungen war der Vortrag allerdings deutlich besser als der vom Tag davor. Es wurde nicht ewig auf den langweiligen und allen bekannten Themen rumgekaut UND meine Extension wurde in die Präsentation aufgenommen (jedenfalls der Name) – sehr positiv also.

Gleich danach hat Robert Lemke das neue Content Model in TYPO3v5 vorgestellt. Auch dieser Vortrag war trotz seines sehr theoretischen Charakters sehr interessant und ich bin gespannt, wie sich dieses Modell in Praxis so macht. Vielversprechend sah es allemal aus. Anschließend habe ich den Coffee break genutzt und bin kurz zum Orientation-Track gewechselt. Dort ging es um die Umsetzung eines Intranet mit dem verfügbaren FLOW3. Kurzes Fazit: Es läuft, aber plant viel Zeit dafür ein. Ich denke mal, dass dieser Fakt durch das „alpha“ im Prefix deutlich wird und war auf Grund des mangelnden Umfangs der Applikation nicht sonderlich überrascht, dass es so gut funktioniert hat.

Weiter ging es mit Jochen Rau der Extbase vorgestellt hat, die Rückportierung einiger really nifty Features aus FLOW3 für TYPO3v4. Da hat es mir richtig in den Fingern gejuckt mal eine bereits existierende Extension zu überführen und zu messen um wieviel weniger Code nötig ist für die selbe Sache! Ich kann nicht erwarten die finale Version in die Finger zu bekommen!!! Ohne großen Verlust an Aufmerksamkeit hat Sebastian Kurfürst direkt im Anschluss die Template-Engine FLUID vorgestellt, welche ebenfalls für v4 rückportiert wurde. Obwohl ich bereits seine Präsentation in Dresden dazu gehört habe, fand ich diese nicht weniger interessant und aufregend. Meiner Meinung nach sind da sehr gute Konzepte sauber umgesetzt worden und auch da wurde ich ganz hibbelig auf meinem Stuhl.

Die nun folgende Präsentation einer Verbindung von Flex/AS3 mit TYPO3 war ganz interessant, da ich allerdings noch nichts mit Flex gemacht habe war ich eher nicht die richtige Zielgruppe. Nichtsdestotrotz sah das alles ganz vielversprechend aus und vielleicht kann jemand bei queo damit ja was anfangen 🙂

Das war das Ende der eigentlichen Vorträge und ca. 50% der Leute sind gegangen. Schade eigentlich, ging es doch am Ende noch um den Best Paper Award und eine Frage-Antwort-Runde mit der TYPO3 Association (leider in umgekehrter Reihenfolge). Den Award erhalten haben die Folgenden Personen:

1. Jochen Rau – Extbase (völlig zu Recht, hat das doch den meisten Nutzen in v4)
2. Sebastian Kurfürst – Fluid (siehe oben)
3. Jens Hoffmann und Björn Brockmann – neues BE UI für v5 (ebenfalls völlig zu Recht, da sie gute Arbeit gezeigt haben)

Damit man mir jetzt nicht (nur) deutsches Meckertum vorwerfen kann, möchte ich gerne meine Gedanken zu den Verbesserungen nennen die ich mir wünschen würde:

  1. Es sollen mehr Leute kommen? Die sollen wenns geht auch nicht nur Entwickler sein? Dann könnte man doch folgendes Modell versuchen: Jeder der kommt und den vollen Preis zahlt, kann einen zweiten zum halben Preis mitbringen, und dritten zum Viertelpreis, wenn er kein Enwickler ist. Das hätte den Vorteil, dass insgesamt mehr Leute kommen und dass auch mal Leute direkt mit dem Projekt zusammenkommen die ganz andere Aspekte betrachten und beachten. Zum Beispiel eben was am Design wichtig oder wie man die Marke TYPO3 voranbringen kann. Dass 300 Proggis klatschen, wenn ein Designer was vorstellt ist kein Beweis von Qualität, oder? Das wäre es erst, wenn 300 andere Designer klatschen!
  2. Es sollen wirklich mehr Leute kommen? Senkt die Preise, dann kommt von jeder Agentur nicht nur einer. Genauso war es auch bei uns. Die Marketingleute/Projektleiter/Designer können einfach wegen des Preises nicht kommen! (siehe Vorschlag 1)
  3. Q&A der Association sind einige wichtige Sache. Warum so Zeitbeschränkt? Einfach den Best Paper Award und das offizielle Ende vorher machen und die Q&A danach. Mehr Fragen beantworten heißt mehr zufriedene Jünger (sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).
  4. Mehr Mitbestimmung bei den Themen/Tracks: einfach ein Voting machen und die Sessions mit den meisten Stimmen nicht parallel stattfinden lassen.
  5. Besseres Englisch. Ich weiß, dass es schwer ist und ich behaupte nicht perfekt zu sein, aber wenn ein Sponsor namens „PSW Group“ als „Pee as we Group“ bezeichnet wird (mehrmals), dann frage ich mich schon was die native speaker davon so halten. (für die es nicht schnallen: w spricht sich in neudeutsch „double-you“ und nicht „we“)
  6. Warum ein Kissen? Ich meine Mitbringsel von einer Konferenz sind ok, aber die Tasse von 2006 fand ich cooler. Und am allercoolsten fand ich den Einkaufswagen Chip mit TYPO3 drauf, denn den verwende ich tatsächlich mindestens ein Mal pro Woche!

In diesem Sinne: besser geht immer 😉

4 Antworten zu “t3con 2009 recap 2. Tag”

  1. Rudi sagt:

    Hallo Micha,

    danke fürs Recap. Liest sich interessant und ich denke, Kritik ist immer angebracht, lass Dich also nicht unterkriegen!
    Leider gibt es immer wieder zu viele Konferenzen, wo sich alle nur gegenseitig beklatschen… 😉

    Die Vorschläge finde ich gut, auch wenn ich mehr der Außenseiter bzw. User bin.

    Traurig finde ich die Kommentare in Beitrag 1, die sich nur sehr begrenzt mit der Kritik auseinandersetzen. Sicher kann man an der Art der Kritikäußerung etwas aussetzen…inhaltlich kann ich sie aber nachvollziehen!

    Grüße

    Rudi von queo

  2. Die leider etwas kritikresistente TYPO3-Association | maischi . de | Dresden sagt:

    […] und etwas schonungslos. Wobei der erste Tag hier noch etwas unkonstruktiver ist als der zweite wirklich gute Post. Natürlich ließen offizielle Gegenstimmen nicht lange auf sich warten und ich musste mir diese […]

  3. Manni sagt:

    Ich bin zwar nur TYPO3 User, aber auch mir ist die zunehmende Kommerzialisierung von TYPO3 aufgefallen. Kommerzialisierung muss ja auch nicht gleich negativ sein, aber bei der Art und Weise wie sich die T3-Konferenzen entwickelt haben, bin ich mir da nicht so sicher.. Auch der Eintrittspreis ist zu hoch. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass du nicht einer der tausenden „Ich komme gerade von einer super #t3con09“ – Tweeter bist und auch mal offen Kritik aussprichst.

  4. Kritik und Konkurrenz nicht erwünscht! | A+media dev-Blog sagt:

    […] interessiert eine wirkliche Diskussion aufkommen zu lassen. Ähnlich dem von mir angeprangerten Verhalten der TYPO3-Community scheint auch in der MooTools-Community die Meinungsfreiheit kein besonders wichtiges Gut! Schade […]

Einen Kommentar schreiben