Jul 09

Jaja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre bla bla. Das muss man sich allen ernstes tatsächlich jedes mal anhören wenn man sich während seiner Ausbildung über irgendwas beschweren möchte. (Ich jetzt nciht mehr, denn ich habe meine letzte Prüfung gestern betanden!) Schonmal daran gedacht, dass es tatsächlich etwas einfaches geben könnte das nicht stimmt?! Dass auch ein Azubi nicht unbedingt mag wie man mit ihm umgeht?! Aber klar: die Azubis in den meisten Firmen werden als saubillige Sklaven 3 Jahre lang zu einem Hungerlohn angestellt und der eigentliche Auftrag (von dem sicher die meisten Ausbilder noch gar nichts gehört haben), nämlich AUSBILDUNG, wird direkt unter den Tisch gekehrt.

Nach einer kurzen Einarbeitung (die gängige Umschreibung für ein unbezahltes 6-Monatspraktikum vor der Ausbildung) kann der Azubi ja auch direkt loslegen und den ach-so-geringen Gewinnanteil der Firma noch ein wenig anheben. Das paradoxe daran ist eigentlich, dass alle Firmen einen so „ausgebildeten“ Azubi tatsächlich lieber nehmen, als wenn er nur den stupiden Berufsschulinhalt gelernt und seine nichtssagende IHK-Prüfung bestanden hat. Warum? Nun ja, zum einen hat er deutlich mehr praxisrelevante Themen behandelt, zum anderen hat er einen riesigen Haufen Projekte bearbeitet und damit die nötige Erfahrung gesammelt. Das bringt ihn in eine bessere Lage, als den Fachtheoretiker, der tatsächlich als Berufseinsteiger gilt, da er ja noch keine oder nur sehr geringe Praxiserfahrung vorweisen kann. Unser Azubi dagegen wird zwar wie ein Berufseinsteiger behandelt, ist es aber eigentlich nicht mehr, denn er hat schon 3 (oder mehr) Jahre im täglichen Projektgeschäft gearbeitet!

Jetzt könnte man meinen man sollte an dem Ausbildungssystem etwas ändern um die Azubis zu entlasten. Da bin ich allerdings dagegen, denn so eine praxisnahe Ausbildung ist eigentlich gut. Was ich allerdings ändern würde sind die folgenden Punkte:

Entlohnung:

  • Wer Sozialabgaben bezahlen muss (also über 325 Euro verdient), der sollte wenigstens soviel rausbekommen, dass er immernoch mehr hat, als wenn er keine zahlen müsste. Denn: einige Unternehmen zahlen den Azubis 335 Euro, nur um auf den Kosten nicht sitzen zu bleiben. Dabei kommt natürlich netto für den Azubi weniger als 325 raus – eine Sauerei wie ich finde!
  • Die Vergütung muss sich jährlich „deutlich steigern“. Klar, aber wenn 5 oder 10 Euro für die IHK deutlich sind, dann würde ich den Damen und Herren das nächste mal auch so eine „deutliche Steigerung“ bei ihrem Gehalt anbieten…
  • Die Höhe der Vergütung muss „angemessen“ sein. Entweder Branchen- oder Ortsüblich. Also wenn ich mal so über den Klassendurchschnitt schaue, dann befinden wir uns entweder in Kasachstan oder wir werden alle als Crashtest-Dummies ausgebildet (oder beides). Meiner Meinung nach sollte die Vergütung im letzten Jahr etwa 60-80% des Facharbeitergehaltes eines Festangestellten in der Firma entsprechen. Eine für beide Seiten gute Lösung (hier in Dresden) wäre zb. 300-500-800. Ich denke diese Summe ist für ein Unternehmen kein Problem und auf der anderen Seite für den Azubi „genug“ um von zu Hause auszuziehen oder ähnliche Dinge. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass gerade einen Azubi die Entlohnung um einiges mehr motiviert, als ein feuchter Händedruck und warme Worte.

Einhaltung der Vorschriften:

  • Hat sich schonmal irgend ein Prüfer die Mühe gemacht in einem Betrieb die Azubis zu kontrollieren? Mir ist jedenfalls nichts bekannt. Da gibt es wahnsinnig viele Vorschriften über Arbeitszeit, Urlaub, Überstunden und was nicht alles. In der Praxis interessiert das allerdings niemanden und dank fehlender Kontrollen ist es Gang und Gäbe!
  • Das Verhältnis von Festangestellten zu Aubis interessiert auch keinen Menschen. Es gibt Firmen, eigentlich gibt es fast keine die es nicht machen, die fahren über 50% ihrer Belegschaft mit Azubis, Umschülern, Studenten, Praktikanten und Diplomanden. Klar, all diese Leute sind extrem günstig und so, das ist mir schon klar. Problem dabei ist: die Azubis lernen nix! Wie auch, wenn alle festen Mitarbeiter sich ständig um irgendwelche anderen Leute kümmern müssen…

Das sind jetzt nur ein paar Punkte und mir ist klar, dass einige schwer umzusetzen sind, denn für Kontrollen braucht man Personal und das ist teuer. Andere Dinge lassen sich aber meiner Meinung nach deutlich einfacher umsetzen, wie zb. die ganzen Regelungen zur Entlohnung. Da jeder Ausbildungsvertrag von einer IHK abgesegnet werden muss, könnte man an dieser Stelle gleich die Zahlen in den Vergütungsfeldern mit kontrollieren und entsprechende Verstöße melden. Das wäre mal ein großer Schritt nach vorn für die Azubis!

3 Antworten zu “Ferdsch!”

  1. Thomas sagt:

    Dein Wort in Gottes Ohr, kommt mir alles sehr bekannt vor ;). 2 Jahre nix bekommen außer ALG2 und viel Arbeit (plus) Überstunden (minus) keine Ausbildung :(. Am besten eine Eierlegendewollmilchsau. In der Prüfung hat es sich widergespiegelt. Wenigstens konnte man aus der Praxis einiges mitnehmen.

    Ich bin dafür das die Ausbildungsrahmenpläne strikt eingehalten werden sollten und auch kontrolliert. Denn dann kommt sowas aller wahrscheinlichkeit nicht mehr vor.

    Ich kann nur hoffen das es in der nächsten Firma besser wird!

  2. Ausbilder Schmidt sagt:

    Passt irgendwie dazu:
    http://www.heise.de/newsticker/Studie-Exzessives-Computerspielen-macht-Kinder-und-Jugendliche-unzufrieden–/meldung/113455

  3. Grundi sagt:

    Na ein Glück dass ich (fast) keine Computerspiele spiele. Dann wäre ich ja sicherlich depressiv geworden!
    ls2000 kommt mir übrigens bekannt vor 😉

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