Jan 07

Ich bin vor etwas über einem Jahr von Windows zu Mac OSX gewechselt und möchte hier ein kleines Resumee ziehen um anderen bei Ihrer Entscheidung einige Tipps zu geben. Für manche ist der Windows-Rechner ja sicher doch das Richtige weil sie sich daran gewöhnt haben.

Ich bin kein Grafiker und mache auch nichts mit Musik oder etwas anderes kreatives – trotzdem verwende ich einen Mac. Der hat meiner Meinung nach nämlich einige Vorteile für mich persönlich und für meine Arbeit. Hier also ein paar Sachen die man wissen sollte, wenn man Umsteiger ist oder wenn man generell mit einem Mac anfängt.

alltägliches:
1. Das „@“ habe ich meist mit den Zeigefingern getippt: rechts unten und links oben. Beim OSX ergibt diese Kombination allerdings Apfel+Q. Dummerweise heißt diese Tastenkombination bei einem Mac „Programm beenden“ (im Windows ist es Alt+F4). Es ist mir des Öfteren passiert, dass sich mein Programm beim Tippen einer Emailadresse verabschiedet hat!

2. Die Entf-Taste fehlt? Kein Problem: fn+Backspace ist hier die Antwort.

3. Es gibt keine „Drucken“-Taste! Wer trotzdem gerne Screenshots macht, wird sich freuen. Mit shift+Apfel+3 wird gleich eine fertige Bilddatei auf dem Desktop erstellt. Noch viel besser: mit shift+Apfel+4 erscheint ein kleines Fadenkreuz. Nun kann man die (linke) Maustaste gedrückt halten und einen Bereich aufziehen. Genau dieser besagte Bereich wird als Bilddatei auf dem Desktop abgelegt. Wer noch zusätzliche Einstellungen tätigen möchte, öffnet das Programm „Bildschirmfoto“ und hat dort z.B. die Auswahl zwischen verschiedenen Bildformaten.

üblicher Ablauf in Windows:

  1. Drucken-Taste, 1 Sekunde
  2. Bildbearbeitungsprogramm öffnen, 20 Sekunden
  3. Bild beschneiden sodaß keine Taskleiste o.ä. mehr zu sehen sind, 30 Sekunden
  4. Bild exportieren (jpg, png, gif), 5 Sekunden
  5. => etwa 1 Minute Gesamtzeit

üblicher Ablauf in OS X:

  1. Shift+Apfel+4 drücken, 2 Sekunden
  2. Bildbereich wählen, 5 Sekunden
  3. 3 Sekunden Geduld haben
  4. fertig – das Bild liegt auf dem Desktop! (Formate können wie bereits erwähnt eingstellt werden)
  5. => etwa 10 Skunden Gesamtzeit

4. Es gibt keine rechte Maustaste. Lösung: ctrl+Klick auf die Maus.

5. Wenn man mit zwei Fingern nebeneinander auf dem Trackpad des MacBooks/MacBookPros nach oben/unten oder links/rechts fährt, kann man in die entsprechende Richtung scrollen – sehr praktisch wie ich finde.

6. Kein Programm scheint eine Menüleiste zu haben. Ja, sieht auf den ersten Blick so aus, ist aber nicht so. Die Menüleiste im immer ganz oben. (Quasi die „Taskleiste“).

Entwicklung/Programmierung:
1. Einige Programme (wie z.B. Eclipse) starten deutlich schneller.

2. Einige Symbole die man zum Programmieren braucht, finden sich nicht auf der Tastatur. Hier eine kurze Liste mit Lösungen:

  • [] Die eckigen Klammern sind mit alt+5 bzw. alt+6 erreichbar
  • {} Die geschweiften Klammern finden sich unter alt+8 bzw. alt+9
  • | Die Pipe steckt genau in der Mitte, alt+7
  • ~ Die Tildeist etwas versteckt, alt+N
  • \ Der Backslash erfordert sogar noch eine Taste mehr, shift+alt+7

3. Wer, wie ich, Webentwickler ist, wird sich einen Webserver und einen MySQL-Server wünschen. Dafür gibt es MAMP! Es wird einfach ein Apache installiert der parallel zum evtl. bereits installierten läuft. Beim MySQL ist es genau das Gleiche.

Wer nur einen Apache ohne MySQL braucht, der muss gar nichts installieren. Einfach in den Systemeinstellungen den Punkt „Web-sharing“ aktivieren, schon läuft er (allerdings ohne PHP o.ä.).

4. Das Thema Subversion (SVN) hat mich lange beschäftigt, da es nicht wirklich viele Clients für den Mac gibt. Außerdem hatte ich noch die Anforderung dass er kostenlos und leicht zu bedienen sein sollte – so wie TortoiseSVN für Windows. Ich habe mich schließlich für SmartSVN entschieden. Das funktioiert zwar nicht so schön wie TortoiseSVN, ist aber eine gute Alternative.

5. Wer auch Webseiten unter Windows testen muss, sollte sich eine kleine Partition einrichten und BootCamp verwenden. Wem es dann zu lange dauert immer erst ins Windows zu booten, kauft sich noch VMWare Fusion und bootet von seiner Partition wie von einem Image.

Um im Windows trotz Mac-Tastatur einige Zeichen zu tippen, die es dort gar nicht gibt, bedarf es einer kurzen Überlegung. Die meisten Sonderzeichen die nicht so einfach auffindbar sind, müssen auf einer „normalen“ Tastatur mit „Alt Gr“ getippt werden. Statt dieser einen Taste kann man jedoch auch „Alt“ und „Ctrl“ drücken. Wenn man nun also mit der Mac-Tastatur unter Windows einen Backslash tippen möchte, drückt man ctrl+alt+ß, für ein „@“ einfach ctrl+alt+q, also die gleiche Kombination wie im Windows, nur eben ohne den Aufdruck auf den Tasten und mit Ersatz für die „Alt Gr“-Taste. Thats it!

6. In manchen Anwendungen unter Windows auf dem Mac geht die Kombination ctrl+Klick (=Rechtsklick) nicht. Dafür habe ich leider selbst noch keine Lösung gefunden. Wer eine hat, kann sie mir gern mailen.

Mein Fazit nach einem Jahr:

Ich liebe meinen Mac dafür, dass mit ihm alles etwas schöner aussieht und vieles schneller geht. Außerdem ist vieles einfacher: Netzwerkeinstellungen, Peripherie, intgrierte Kamera für Chats usw. Diese ganzen „Features“ kosten allerdings den Willen sich auf etwas neues einzulassen und in manchen Dingen etwas umzudenken. Das erscheint am Anfang etwas lästig, geht aber sehr schnell vorbei. Für jemanden der Windows nicht kennt ist es meiner Meinung nach sogar einfacher mit OSX klarzukommen, da sich viele Dinge logisch von selbst erklären oder man gut unterstützt wird. Wer die routinierten Klicks und die Kniffe von Windows gewohnt ist, muss hier eine Stufe einfacher denken um zum Ziel zu kommen.

Die kleinen Gimmicks wie das magnetische Stromkabel oder die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur finde ich selbstverständlich auch Klasse, aber das wird mit Sicherheit bald auch in anderen Geräten kommen, weswegen ich das hier mal nicht als Unique für einen Mac ansehen will.

Was ich an meinem Mac nicht mag ist die Tatsache, dass es nicht alle Programme für OSX gibt (z.b. TortoiseSVN). Das einzige richtige Manko und ein deutlicher Minuspunkt ist allerdings die Tatsache, dass OSX nicht von Hause aus auf NTFS-formatierte Festplatten schreiben kann. Das macht den Datenaustausch mit der Windowswelt (ohne Netzwerk) wahnsinnig kompliziert, da man auf nahezu keine externe Festplatte etwas schreiben kann. Im Netzwerk oder mitUSB-Sticks ist das natürlich etwas anderes. Trotzdem verstehe ich nicht, warum man die Technik zum lesen von NTFS-Platten integiert, aber das Schreiben weglässt obwohl es da auch eine Möglichkeit gäbe, das kostenlos zu integrieren (ntfs3g-Treiber).

Das ein Mac ein ganzes Stück teurer ist, als eine vom technischen Stand identische „Windows-Kiste“, habe ich auf Grund der vielen Boni in Kauf genommen. Als Dank hat mich der Service von Apple überzeugt.

An dieser Stelle muss nun jeder selbst entscheiden ob ein Mac das Richtige für ihn sein könnte. Mein Tipp: geht in einen Apple-Store und probiert einfach ein bißchen herum – wer es nach einer halben Stunde nicht liebt, sollte bei Windows bleiben 😉

5 Antworten zu “Arbeiten mit OSX: Pro und Contra”

  1. Stephan sagt:

    Tach Michael!

    Also ich brauche zum Erstellen eines Screenshots mit Windows 2000 auch nur 10 Sekunden.

    Wenn Du nur einen Screenshot vom aktiven Fenster brauchst und nicht vom ganzen Desktop, nimm ALT+Druck stattdessen. Dann brauchst Du nachher auch keine Taskleiste wegschneiden, o. ä.

    Mein IrfanView ist in 2 Sekunden da. Ich drücke einfach WIN,p,g,i (= Startmenü -> Programme -> Grafik -> IrfanView)…. blubb! Andere Grafikprogramme sind für diese Aufgabe überdimensioniert.

    In Irfanview drückst Du dann STRG+v um den Screenshot einzufügen. Solltest Du nur einen Teilbereich Deines Screenshots brauchen, markiere ihn mit der Maus und drücke STRG-y zum Freistellen. Dann das übliche: Speichern mit STRG+s. Wenn Du GIF willst: TAB,g oder JPEG: TAB,j,TAB,j und so weiter…

    Gruß aus Paris,
    -Stephan

  2. Thomas sagt:

    Hm…deine Beschreibung ist trotzdem um einiges laenger…^^

    schliesslich brauchste n zusatzprogramm dafuer…und die noetigen shortcuts…
    vergleichbar ist das trotzdem nicht 😉

  3. chris sagt:

    Kannst du den Beitrag noch fortsetzen? Kenne mich mit dem Mac überhaupt nicht aus. Was sind die weiteren Vorteile? Ok, er ist cool. Aber kann er wirklich mehr?

    Kann man einfach Images und Sicherungskopien machen? Beides getrennt? Sicherungskopien von Eigenen Dateien auf externe Festplatte und Image vom System? Ich will nicht ein Programm, das irgendwas automatisch macht, was ich nicht verstehe.

  4. Grundi sagt:

    Hi Chris.

    Ich kann den Beitrag gerne fortsetzen, dann bräuchte ich allerdings ein spezifisches Thema was dich interessiert. Signifikant mehr kann er meiner Meinung nach nicht, die Frage die sich mir gestellt hat, war eher „wie“ er etwas macht, nicht „was“ er mehr kann. Sicherungskopien z.B.: warum kompliziert denken wenns auch einfach geht?! Ich mache alles mit TimeMachine, cooles Programm und kostenlos bei 10.5 dabei. Einfach konfigurieren (ein Mal 5 Min) und dann einfach anstecken und los gehts. Idealerweise auf ne externe Festplatte mit Raid für Datenspiegelung aber das ist jedem seine Sache wie sicher das Backup sein soll. Damit kannst du einzele Files („Eigene Dateien“) oder das ganze System wieder zurücksetzen zu einem Zeitpunkt deiner Wahl. So brauchst du dir keine Gedanken mehr machen was du wann und wie sichern musst. Das ist meiner Meinung nach genau der Vorteil eines Macs…

    Wenn du alles genau steuern und bis ins Detail selbst eistellen möchtest, dann kauf die lieber keinen Mac, sondern nimm ein Linux 🙂

    Wenn du noch weitere Fragen zu TImeMachine hast, dann schau bei Apple vorbei und guck dir eins der zahlreichen Videos an wo es genau erklärt wird.

    Viele Grüße und viel Erfolg bei deinen Backups (wie auch immer du sie machst)
    Michael

  5. Entwickeln mit OSX: Win-Tool-Alternativen | A+media dev-Blog sagt:

    […] 2007 habe ich schon einen kleinen Artikel zum Thema Arbeiten mit OSX geschrieben. Da nun wieder fast eineinhalb Jahr ins Land gegangen sind, möchte ich die Gelegenheit […]

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